„Was du ererbt von Deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen.“ (Johann Wolfgang von Goethe)

Die Geschichte der Güdinger Scheune

Die Anfänge der Güdinger Scheune liegen im Dunkeln, wollen sagen, wir wissen nicht genau, wann das Bauernhaus in der Kanalstraße 7 gebaut wurde. Nur soviel ist sicher, Es muss irgendwann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gewesen sein. Das Haus ist vom „Lothringer Typ“, das heißt, Scheune und Wohnteil sind funktional getrennt. Und das ist auch heute noch so.
Bis in die 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts hinein wurde das Gebäude landwirtschaftlich genutzt. Es war als „Haus Schlager“ den Güdingern ein Begriff. Und wie das so ist, der alte Eigentümer starb und das Haus stand leer. Irgendwann gelangte es in den Besitz der Stadt Saarbrücken, die sich Anfang der 80er Jahre mit dem Gedanken trug, das Anwesen zu verkaufen. Von Abriß war die Rede und von einem Parkplatz, den man an dieser Stelle anlegen könne.
Diese Diskussion rief den Ortsverein der SPD auf den Plan. Nach Überzeugung der Güdinger Sozialdemokraten sollte vom alten Ortskern, in dessen Zentrum die Scheune stand, so viel wie möglich erhalten bleiben.
Ab der Mitte des Jahres 1983 wurden Überlegungen für eine neue Nutzung der Scheune und des Wohnteils angestellt, an denen sich die Güdinger Öffentlichkeit rege beteiligte. So schlug die CDU beispielsweise vor, den Vereinen die Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen. Das DRK litt seinerzeit unter akuter Raumnot. Für die Hermann-Diehl-Stiftung hätte man eine „Heimatstube“ einrichten können.
Schließlich setzte sich jedoch die Überlegung durch, dass das kulturelle Leben am Ort einer Auffrischung bedürfe und dass die Scheune dafür den passenden Rahmen bieten könnte. Entsprechende Vorschläge trafen bei der Eigentümerin, der Stadt Saarbrücken, auf offene Ohren.
Bei einem Ortstermin machten sich die Vertreter der Bauverwaltung ein Bild von den zu leistenden Renovierungsarbeiten. Die Stadt sah schließlich von einer Veräußerung ab und der Stadtrat stellte die Mittel für den ersten Bauabschnitt zur Verfügung.
Im Jahre 1984 ging es los – innen und außen. Die Arbeiten wurden teilweise von den Mitarbeitern des Bauhofs Halberg durchgeführt, dessen Leiter, Joachim Laue, das Projekt besonders am Herzen lag.
Zunächst musste das Anwesen gründlich entrümpelt werden, denn Scheune und Garten waren in den zurückliegenden Jahren zu einer wahren Müllkippe verkommen. Im alten Schweinestall auf der Rückseite zur
Saargemünder Straße hausten die Ratten – er wurde abgerissen.
Im Inneren der Scheune wurden ein Wirtschaftsraum und Toiletten gebaut. Darauf legte man eine Betondecke und schuf so die mittlere Geschoßebene, die heute mit dem großen Kamin das Herz der Scheune bildet. Im Dezember desselben Jahres konnte bereits die erste Veranstaltung durchgeführt werden. Es war eine Bilderausstellung mit Arbeiten von Güdinger Künstlern.
Noch war alles provisorisch, aber den Beteiligten war klar, man war auf dem richtigen Weg.
Zugleich wurden die Räume im Wohnteil instand gesetzt und danach als Sozialwohnungen vermietet.
Im Laufe der Zeit stellte sich die Notwenigkeit heraus, den Betrieb der Scheune auf eine eigene, unabhängige Grundlage zu stellen, kurz, ein Trägerverein musste her.
Die Gründungsversammlung für den „Förderkreis Güdinger Scheune“ fand am 7. November 1985 in der Festhalle statt. 19 Personen und drei Vereine legten dabei den Grundstein für die weitere Entwicklung. Bis heue hat sich die Zahl der Mitglieder um ein Vielfaches erhöht.
Der erste Vorstand bestand aus Viktoria Escher-Hoffmann, Hermann Harig, Roman Hauf, Wolfgang Käps und dem Bezirksbürgermeister Herbert Diener.
Voller Tatendrang machte sich der neue Verein daran, in der Scheune eine große Kulturveranstaltung anzubieten. Es gelang, die Organisatoren der „Woche des jungen französischen Theaters“ - "Perspectives" – für die Scheune zu begeistern. Der Auftritt des Travestiekünstlers Georgette Dee wurde zu einem wirklichen Erfolg.
Auch in der Dorfgemeinschaft begann sich der Verein zu etablieren. Das wurde beim ersten Scheunenfest und bei einer Modenschau der Güdinger Geschäfte deutlich.
Im Frühjahr 1987 wurde der Geschäftsführer des Förderkreises, Roman Hauf, zum Vorsitzenden der „Arbeitsgemeinschaft Güdinger Ortsvereine“ gewählt, auch ein Beweis für die Akzeptanz des neuen Vereins.
Der Förderkreis entwickelte von Anfang an ein duales Angebotskonzept, das heißt, einerseits beliebte Veranstaltungen, die sich jedes Jahr wiederholen und einen festen Platz im Güdinger Terminkalender haben. Andererseits gab es immer wieder Experimente.
Heute gehören zu des „Standards“ im Jahresprogramm der Scheune der Frühjahrs- und der Bäuerliche Markt, der Jazz-Frühschoppen der „Dixieland Sixpack“, der Herbst- und der Bäuerliche Markt, der Flohmarkt, die ökumenische Ernterdankfeier und der große Weihnachtsmarkt am ersten Advent-Wochenende.
Der Einbau der dritten Geschoßebene im Jahre 1989 erschloss den Innenraum für neue großzügigere Angebote. Wie so oft war der Förderkreis auch dabei auf Zuschüsse und Spenden angewiesen.
Im Jahre 1990 schloss der Verein mit der Stadt Saarbrücken einen Überlassungsvertrag, der ihm die Gesamtverantwortung für das Scheunen-Anwesen übertrug.
Seit Mai 2007 können sich Hochzeitspaare in den Sommermonaten in der Scheune das Ja-Wort geben.

Wir laden Sie sehr herzlich zu unseren Veranstaltungen ein.